Diversität und Hochbegabung

Männlich, weiblich, divers - doppelt anders




  • Noch immer werden mehrheitlich Jungen und Männer als hochbegabt erkannt und diagnostiziert als Mädchen und Frauen.

  • Noch immer ist eine Hochbegabtenförderung mit Förderungschwerpunkt der MINT-Fächer auf eher-männliche Berufsdomänen ausgerichtet - Mädchen sind gern gesehen und separat gefördert (Jugend forscht).

  • Noch immer wird Jungen ein höherer IQ-Wert zugetraut als Mädchen. Das gleiche gilt für die Kreativität.

  • Noch immer ....

  • Noch immer ...

  • Noch immer ..

2021 - Leider noch immer!!!


Angefangen von der Identifizierung hochbegabter Kinder bis hin zur Förderung - auch die Hochbegabtenthematik ist durchdrungen von männlichen Sicht- und Denkweisen. Mädchen und Frauen kommen weitaus seltener vor. Die Liste bekannter internationaler Mensamitglieder verzeichnet 10 Frauen von 48 aufgeführten Personen (https://de.wikipedia.org/wiki/Mensa_International, Abruf 20.07.2021).


Doch wenn wir innerhalb dem Thema Hochbegabung von Diversität und Gleichberechtigung reden, wie steht es um die Gruppe der Lesben, Homosexuellen, Bisexuellen und trans* Menschen (LGBTIQ*)? Hat die Gesellschaft auch sie im Blick, wenn siean Hochbegabung denkt?


Die Intelligenzforschung des letzten Jahrhunderts (die Liste weißer, männlicher Wissenschaftler ist lang), Mensa (gegründet von zwei britischen Männern) und einschlägige Filme haben unsere Sicht auf das Phänomen der Hochbegabung stark geprägt. Gleichzeitig hat vermutlich durch die Einführung ihres verpflichtenden Aufnahmetests Mensa die Standardisierung der IQ-Tests maßgeblich beeinflusst - eine wissenschaftliche Arbeit hierzu steht noch aus.


Fragt man zufällig ausgewählte Personen woran sie hochbegabte Menschen erkennen und welche Berufe sie vermutlich ausüben, dann antwortet die große Mehrheit die klassischen Stereotypen: männlich, sozial schwierig, große Brille, schlecht angezogen, ITler oder Physiker, vielleicht noch Mathematiker, Ingenieur - Professor "Oberschlau" - Punkt.



Intellekutellenszene

War die intellektuelle Szene Anfang bis Mitte des letzten Jahrhunderts ein buntes Gemisch aus Künstler*innen, Literat*innen, Musiker*innen, Mediziner*innen, Physiker*innen, Philosoph*innen, Ingenieur*innen so sind die künstlerischen und geisteswissenschaftlich Schaffenden aus unserem Blickfeld innerhalb der Hochbegabtenthematik und -forschung verschwunden. Intelligenz wird zunehmend ausschließlich mit logisch-analytischem Denkvermögen gleichgesetzt.


Erst mit Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen aus dem Jahr 1980 und Elain Aarons Forschungen zur Hochsensibilität aus dem Jahr 1999 kam neuer, frischer Wind ins Thema und die Sichtweise fing an, sich langsam zu verändern.



ITler, Programmierer und Nerd

Gleichzeitig mit diesen beiden, das Themenfeld erweiternden, Theorien entstand ein neues Berufsfeld - der (man bemerke auch hier wieder die männliche Variante) Programmierer. Es ist die Geburtsstunde des ITlers - des Nerds. In den Köpfen der Gesellschaft begann sich eine Trennung zu vollziehen - auf der einen Seite, die der autistischen Nerds (männlich) und auf der anderen jene der hochempfindlichen Senibelchen (weiblich). Wohlwissend, dass ich hier die Klischees bediene und dies so nicht gehalten werden kann - sind das gängige Sichtweisen, die mir in meiner Arbeit als Dozentin in der Lehreraus- und -fortbildung, begegnen.



Hochbegabte Buntheit

Doppelt ‚anders’! Wenig bis gar keine Beachtung in der Literatur und Forschung findet jene Gruppe der LGBTIQ* Menschen. Hochbegabte Drag Queen, hochkreative*r trans* Mensch, hochbegabte Lesbe, hochsensible*r Asexuelle*r - ‚Doppeldiagnose‘ hochbegabt und (in aller Demut ohne ausgrenzen zu wollen) "anders"-sexuell/geschlechtlich: zwei Persönlichkeitsmerkmale, die einander nicht ausschließen aber gerade weil sie so selten zusammen erwähnt werden vermutlich weitaus häufiger auftreten, als allgemein vermutet wird.


Wie mögen sich jene hochbegabten Menschen fühlen, die nicht in das gängige Klischee passen? Werden sie überhaupt eine Hochbegabung bei sich vermuten, wenn keiner darüberspricht oder schreibt? Werden andere sie bei ihnen vermuten? Mit welchen Problemen haben jene Menschen zu kämpfen, die nicht den gängigen Vorstellungen entsprechen?


Leonardo da Vinci und Michelangelo ... Viele hochsensible-hochbegabte-hochkreative Menschen waren Künstler, Konstrukteure, Literaten, Philosophen, Astronomen, Schöngeister - "hochsensibelhochbegabthochkreativ" und z.B. schwul.


Vielleicht ist es die Hochkreativität, die hier neben der Hochsensibilität für jene Menschen eine Tür zur Hochbegabung öffnen kann.



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